Von Otto I., den Barbarossa 1180 mit Bayern belehnte, bis zum Ende der Monarchie 1918: Herrscher und Gemahlinnen, ihre Bauten, Kunstwerke, Handschriften und Schätze — und was sie politisch bedeuteten. Mit Bildern, Quellen und ihren Zusammenhängen.
Bayern beginnt nicht 1180. Sieben Etappen führen von der römischen Provinz zum Herzogshut Ottos von Wittelsbach — mit sehr unterschiedlicher Quellenlage: von stehenden Römermauern über eine einzige dichte Heiligenvita bis zu lückenhaften Genealogien, die die Forschung heute vorsichtig als Hilfskonstruktionen liest.




Mit dem Alpenfeldzug 15 v. Chr. wird das Land südlich der Donau römisch — die Provinz Raetien mit der Hauptstadt Augusta Vindelicum (Augsburg), östlich des Inn Noricum. 179 n. Chr. errichtet die Legio III Italica das Legionslager Castra Regina: Regensburg.
NACHWEISBAR: Porta Praetoria und Lagermauern in Regensburg · steinerne Gründungsinschrift von 179 (Historisches Museum Regensburg) · römische Stadtkerne von Augsburg, Kempten, Passau · Straßen und Kastelle des Limes (UNESCO-Welterbe)Was in diesen Jahrzehnten am Donauufer geschah, wissen wir fast nur aus einer einzigen Schrift: der Vita Sancti Severini, die der Mönch Eugippius 511 im Kloster Lucullanum bei Neapel verfasste — er hatte Severin selbst noch gekannt. Die Vita schildert rund drei Jahrzehnte Endzeit des Limes aus nächster Nähe: Severin (gest. 8. Januar 482 in Favianis/Mautern) wirkt in Batavis (Passau), Quintanis (Künzing) und im Kastell Boiotro; er organisiert Getreidelieferungen für hungernde Städte, kauft Gefangene frei, verhandelt mit den Königen der Rugier und Alamannen — und rät den Romanen Ort für Ort zum geordneten Abzug, während die Kastelle nacheinander fallen. 488 folgt die Räumung: Die Bevölkerung zieht nach Italien und nimmt Severins Gebeine mit; sie ruhen heute in Frattamaggiore bei Neapel. Im Land bleibt eine romanische Restbevölkerung, deren Spur die „Walchen“-Namen bewahren.
NACHWEISBAR: Vita Sancti Severini (Text vollständig erhalten, Editionen seit dem 19. Jh.) · Kastell Boiotro in Passau-Innstadt — Ort von Severins Klosterzelle, heute Römermuseum · „Walchen“-Orts- und Gewässernamen (Walchensee) · Siedlungskontinuität in Regensburg, Salzburg, PassauKein Einwanderungsvolk: Die Forschung sieht heute eine Ethnogenese im Land selbst — Romanen und verschiedene germanische Gruppen wachsen unter fränkischer Oberhoheit zusammen. Um 551 nennt der Chronist Jordanes erstmals die „Baiovarii“.
NACHWEISBAR: Erstnennung bei Jordanes (Getica, um 551) · Reihengräberfelder wie Altenerding und München-Aubing mit tausenden Bestattungen · keinerlei Beleg für eine geschlossene EinwanderungMit Garibald I. (gest. um 590) wird ein bayerischer Herzog greifbar, Residenz ist Regensburg. „Agilolfinger“ ist dabei ein Hilfsbegriff der Forschung: Die Lex Baioariorum schreibt vor, der Herzog müsse aus diesem Geschlecht stammen — die Genealogie selbst bleibt lückenhaft. 739 ordnet Bonifatius die Bistümer, die Herzöge gründen Klöster von Tegernsee bis Frauenwörth. 788 setzt Karl der Große den letzten Herzog Tassilo III. ab.
NACHWEISBAR: Lex-Baioariorum-Handschriften (u. a. Universitätsbibliothek München) · Tassilokelch im Stift Kremsmünster · Freisinger Traditionsbücher · Bistums- und Klostergründungen — Genealogie und Herkunft des Hauses dagegen unsicher (HLB: Deutinger, „Agilolfinger“)Bayern wird Teil des Karolingerreichs; Regensburg ist Königspfalz und unter Ludwig dem Deutschen zeitweise Hauptort des Ostfrankenreichs. 907 endet die Epoche mit der Niederlage von Pressburg gegen die Ungarn.
NACHWEISBAR: Urkunden und Kapitularien · Reichsannalen · Pfalzareal und Alte Kapelle in RegensburgMarkgraf Luitpold fällt 907 bei Pressburg; sein Sohn Arnulf regiert das Herzogtum fast königsgleich — er prägt eigene Münzen und beruft Synoden. Nach 947 zieht das ottonische Königshaus das Herzogtum an sich.
NACHWEISBAR: Salzburger und Freisinger Überlieferung · Regensburger Denare Arnulfs · danach: Herzogsreihe der Ottonenzeit urkundlich dichtOttonen, dann Welfen: Das Herzogtum ist Reichslehen und wechselt die Häuser. 1156 trennt das Privilegium minus Österreich ab; 1180 stürzt Friedrich Barbarossa Heinrich den Löwen — und belehnt Otto von Wittelsbach. Hier beginnt diese Seite.
NACHWEISBAR: Privilegium minus (Original im Österreichischen Staatsarchiv) · Gelnhäuser Urkunde 1180 · ab hier lückenlose urkundliche HerrscherfolgeEine Auswahl, von denen ein zeitgenössisches Bildnis überliefert ist. Tippe für Leben, Bauten und Bedeutung.
Jeder Bau, jedes Kleinod war auch ein Bekenntnis — zur Frömmigkeit, zur Macht, zur Nation.